Fluggesellschaften ändern Cockpit-Vorschriften

Ab sofort muss bei vielen Airlines das Flugzeug-Cockpit immer mit mindestens zwei Besatzungsmitgliedern besetzt sein. Anlass ist der durch den Co-Piloten absichtlich herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine vor einigen Wochen in Frankreich.

Noch keine bindende europäische Cockpit-Vorschrift

Obwohl es bislang in der europäischen Luftfahrt nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, dass ein Pilot, wenn er das Cockpit verlässt, durch ein Besatzungsmitglied ersetzt wird, ist das bei einigen amerikanischen und europäischen Airlines längst Praxis. Nach Abstimmungen mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Luftfahrt-Bundesamt wollen nun alle deutschen Fluggesellschaften nachziehen und auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat international eine Empfehlung ausgesprochen.

„Ab sofort müssen sich grundsätzlich immer zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten“, sagte ein Sprecher der Air Berlin. Auch die Crews von Condor und Germania wurden bereits über die neue Regelung informiert. Dabei soll das Vier-Augen-Prinzip eine höhere Chance einräumen, auf Gefahren zu reagieren.

Auch Airlines, die mehrmals wöchentlich ab Dresden fliegen, haben Änderungen bei den Cockpit-Regelungen angekündigt. So hat SWISS beschlossen, ihre bereits hohen Sicherheitsmaßnahmen im Cockpit vorsorglich anzupassen. Auch Easyjet und Germanwings haben umgehend reagiert.

Vor Überreaktionen wird gewarnt

Auch wenn die „Vereinigung Cockpit“ die schnelle Reaktion der Airlines begrüßt, wird doch davor gewarnt, zu schnell Schlüsse aus der Katastrophe zu ziehen. „Wir dürfen jetzt aber keinen Generalverdacht gegenüber allen Besatzungsmitgliedern aufkommen lassen“, so Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit. „Mein Vertrauen in die Piloten sowie die sorgfältige Auswahl, Ausbildung und Qualifikation bleibt auch nach dem tragischen Flug 4U 9525 ungebrochen und ist die Basis für die sichere Flugdurchführung. Vorschnelle Diskussionen schaden der Aufklärung, der Möglichkeit Lehren aus diesem schrecklichen Unglück zu ziehen und damit sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln. Ich vertraue in das aktuelle Sicherheitssystem der Airlines! Dennoch ist die Gründung einer Taskforce aus Verkehrsministerium, Airlines, Berufsverbänden und weiteren Experten ein richtiger und wichtiger,“ so Schulz weiter.